Der Nachmittagsexpress beschreibt die aktuelle Situation wie folgt:
USA: Nach dem gestrigen Höhenflug ist auch an den US-Börsen eine Verschnaufpause angesagt. In den Mittelpunkt rücken dürften die Aktien von JP Morgan. Die US-Börsenaufsicht SEC teilte mit, nach dem milliardenschweren Spekulationsdesaster das Kommunikationsverhalten der Grossbank zu untersuchen. Die Behörden überprüfen nun, ob das Finanzinstitut die Anleger bei der Bilanzvorlage im April getäuscht hat. Im Markt machen Gerüchte die Runde, dass der angeschlagene kanadische Blackberry-Konzern Research’n’Motion bald übernommen werden könnte. Als mögliche Kaufinteressenten werden Facebook und Amazon genannt.
Europa: Die europäischen Börsen dümpeln um ihren Vortagesschlussstand herum und zerreissen keine grossen Stricke. Obwohl ein „Grexit“ vorläufig vom Tisch ist, halten sich die Anleger mit ihren Engagements zurück. In Athen will sich der Chef der Neuen Demokratie mit den Vorsitzenden der Pasok und der Demokratischen Linken treffen, um die Bildung der Koalitionsregierung anzutreiben. Kritisch wird ebenfalls das Geschehen rund um Spanien beobachtet. Italien teilte derweil mit, dass die Industrie im April im Vergleich zum Vormonat um 12.3% eingebrochen ist. Grund für den Einbruch ist die sinkende Wettbewerbsfähigkeit des Landes. Europaweit stehen die Versicherer auf den Einkaufszetteln der Investoren. Gemäss Berichten will die EU die geplanten neuen Kapitalvorschriften für die Versicherer wenn möglich abmildern. Der europäische Branchenindex steigt um 1.4%.
Schweiz: Die Schweizer Börse gibt zur Wochenmitte hin einen Teil ihrer gestern erzielten Gewinne wieder ab. Die Anleger bleiben an der Seitenlinie und warten auf den heute zur Bekanntgabe anstehenden geldpolitischen Beschluss der US-Notenbank Fed. Belastend wirken sich die schwächeren Kursnotierungen der drei Grossen – Nestle, Roche und Novartis – auf den Markt aus. Sie verlieren alle zwischen 1.1% und 0.4% an Wert. Swiss Life kann von der Höherstufung durch die UBS auf Buy von bisher Neutral profitieren und steigt um 4.7%. Die Analysten gehen davon aus, dass sich die Aktien im gegenwärtigen Niedrigzins-Umfeld robust entwicklen werden. SMI-Neuling Geberit kann die Ratingerhöhung auf neutral (bisher sell) verwerten und verbucht einen Kurszuwachs von 0.3%. Das Unternehmen ist im europäischen Markt gut aufgestellt, um weiterhin zu wachsen. In der zweiten Reihe kommen die Neuigkeiten von Ascom. Der Technologiekonzern stellte gestern Abend für das Gesamtjahr 2012 einen Konzerngewinn auf Vorjahresniveau – 23.1 Mio CHF – in Aussicht. Sorgen bereitet jedoch die Sparte Network Testing, welche auch Anlass zu einer Gewinnwarnung gab. Die Aktien stecken dies mit einer Kurseinbusse von 1% gut weg.
